Kennst du das?
Du gehst kurz durchs Wohnzimmer und trägst hinterher eine Fellschicht – wie eine zweite Haut/Hose – auf der Hose. Der Fellwechsel beim Hund hat wieder begonnen und plötzlich liegt Fell auf der Couch, im Auto, in der Suppe (ja, wirklich 🙃).
Die meisten von uns nehmen den Fellwechsel erst wahr, wenn schon alles voller Haare ist. Dabei beginnt er im Körper deines Hundes schon viel früher – lange bevor das erste Haar auf dem Couch landet.
Und genau da lohnt es sich hinzuschauen.
Denn wie dein Hund durch den Fellwechsel kommt, sagt oft mehr über sein Wohlbefinden aus, als man auf den ersten Blick denkt.
Warum der Fellwechsel beim Hund mehr ist als „nur Haare überall“
Zweimal im Jahr tauscht dein Hund sein Fell:
im Frühjahr das dichte Winterfell gegen ein leichtes Sommerkleid,
im Herbst umgekehrt.
Ausgelöst wird das übrigens nicht in erster Linie durch die Temperatur draußen (viele denken das), sondern durch die Tageslänge.
Wird es im Frühjahr länger hell, produziert die Zirbeldrüse im Gehirn deines Hundes weniger vom Hormon Melatonin. Das ist sowas wie die innere Uhr deines Hundes und steuert unter anderem seinen Schlaf-Wach-Rhythmus und eben auch den Start des Fellwechsels¹.
Weniger Melatonin heißt: Das Winterfell darf gehen, das Sommerfell kommt. Im Herbst läuft das Ganze umgekehrt.
Gut zu wissen: Es gibt keinen festen Kalendertag, an dem der Fellwechsel „offiziell“ beginnt. Bei den meisten Hunden startet er im Frühjahr zwischen März und April, im Herbst zwischen August und Oktober.
Rasse, Haltung (drinnen/draußen) und individuelle Faktoren spielen dabei zusätzlich eine Rolle.
Was im Körper deines Hundes beim Fellwechsel passiert
Was viele unterschätzen: Der Fellwechsel ist für den Körper deines Hundes richtig anstrengend.
Fell besteht zu einem großen Teil aus Keratin und das ist nichts anderes als Eiweiß.
Wächst neues Fell, braucht der Körper also deutlich mehr hochwertiges Protein als sonst.²
Gleichzeitig ist in dieser Zeit auch das Immunsystem stärker gefordert.
Das kann ein Grund sein, warum manche Hunde im Fellwechsel anfälliger für andere Themen sind – sei es Hautirritationen, Verdauungsthemen oder einfach eine gewisse Erschöpfung.
Für mich ist das immer wieder ein gutes Beispiel dafür, wie sehr im Hund alles zusammenhängt.
Fell ist nicht „nur“ Fell.
Es ist ein Spiegel dessen, was im Körper gerade los ist.
Wie du deinen Hund im Fellwechsel unterstützen kannst
Du kannst deinen Hund während dieser Zeit auf mehreren Ebenen unterstützen.
Hier sind die Bausteine, die aus meiner Erfahrung wirklich etwas bringen:
Regelmäßiges Bürsten
Klingt banal, wirkt aber.
Bürsten entfernt nicht nur lose Haare, sondern lässt auch wieder Luft an die Haut und kann Juckreiz durch abgestorbenes Fell reduzieren.
Nebenbei ist es für viele Hunde eine kleine Wohltat – probier einfach aus, welche Bürste deiner Fellnase am liebsten ist, das ist ziemlich individuell.
Eiweißreiche, hochwertige Ernährung
Da im Fellwechsel mehr Keratin gebildet wird, steigt auch der Bedarf an hochwertigem Eiweiß.
Eine ausgewogene, natürliche Fütterung mit guten Proteinquellen ist hier die Basis – nicht nur im Fellwechsel, aber gerade dann besonders spürbar.
Gezielte Unterstützung von außen
Neben Eiweiß spielen im Fellwechsel auch ungesättigte Fettsäuren, B-Vitamine und Zink eine größere Rolle:
- Omega3 Fettsäuren
unterstützen Haut und Fellglanz spürbar.
Wichtig ist hier allerdings die Qualität der Quelle – dazu hab ich dir weiter unten einen Link zu einem ausführlichen Artikel da. - Biotin (auch Vitamin B7 genannt)
wird für die Keratinbildung gebraucht.
Ein Teil davon wird sogar von Bakterien im Darm deines Hundes gebildet – ein schönes Beispiel dafür, wie eng Darmgesundheit und Fell zusammenhängen.
In stressigen Phasen kann trotzdem ein kleiner Engpass entstehen. - Zink
kann der Körper nicht selbst bilden – es muss über die Fütterung kommen. Die meisten ausgewogenen Futter enthalten bereits ausreichend davon. - Ruhe und wenig zusätzlichen Stress
Der Fellwechsel kostet Energie. Genau deshalb lohnt es sich, in dieser Zeit nicht noch zusätzlich Stress reinzubringen – sei es durch neue Reizüberflutung, Trainingsdruck oder volle Terminkalender.
Ein entspannter Alltag hilft dem Körper, sich auf das zu konzentrieren, was gerade ansteht.
Wichtig:
Nicht jeder Hund braucht zusätzliche Ergänzungen. Manche kommen mit einer ausgewogenen Fütterung völlig problemlos durch den Fellwechsel.
Wenn du unsicher bist, ob dein Hund wirklich gut versorgt ist, schau dir seine Fütterung gemeinsam mit jemandem an, der sich auskennt – zum Beispiel bei einem Erstgespräch mit mir.
Der Blick, den viele beim Fellwechsel vergessen: der Darm
Hier kommen wir zu dem Punkt, der mir persönlich besonders wichtig ist.
Aus meiner Erfahrung als Ernährungsberaterin sehe ich immer wieder: Fell, Haut und Verdauung hängen enger zusammen, als es auf den ersten Blick aussieht.
Ein Hund, der schon das ganze Jahr über mit seiner Verdauung zu kämpfen hat, tut sich im Fellwechsel oft schwerer – weil der Körper gleichzeitig zwei Baustellen bewältigen muss: die Fellneubildung und ein Verdauungssystem, das Nährstoffe nicht optimal aufnehmen kann.
Umgekehrt gilt: Ein Hund mit stabiler Darmgesundheit kann Nährstoffe aus dem Futter meist besser aufnehmen und verwerten – und genau die braucht er ja gerade jetzt in erhöhter Menge.
Deshalb schaue ich bei Hunden, die im Fellwechsel besonders struggeln, immer auch auf die Verdauung:
❗️Wie sieht der Kot aus?
❗️Gibt es wiederkehrende Beschwerden?
❗️Wie war die Fütterung in den letzten Monaten?
Das heißt nicht, dass jeder Hund mit glanzlosem Fell gleich ein
Darmproblem hat. Aber es lohnt sich, genau hinzuschauen, statt das Fell isoliert zu betrachten.
Wann der Fellwechsel zum Warnsignal wird
So normal der jahreszeitliche Fellwechsel ist – es gibt Situationen, in denen dahinter mehr steckt als der übliche Wechsel:
– Kreisrunder Haarausfall, der nicht nachwächst
– Starker Juckreiz, Rötungen oder Entzündungen der Haut
– Fellverlust, der das ganze Jahr über anhält statt nur zeitweise
– Zusätzliche Symptome wie Durchfall, Erbrechen oder starke Unruhe
In diesen Fällen ist das kein „normaler“ Fellwechsel mehr, sondern einHinweis, den du ernst nehmen solltest.
Wichtiger Hinweis:
Ich bin Ernährungsberaterin, keine Tierärztin.
Bei Hautveränderungen, anhaltendem Juckreiz, kreisrundem Haarausfall oder weiteren Krankheitssymptomen gehört dein Hund in tierärztliche Hände.
Meine Arbeit setzt dort an, wo es um die ernährungsbasierte, ganzheitliche Unterstützung im Alltag geht – als Ergänzung, nicht als Ersatz für die tierärztliche Abklärung.
Übrigens gibt es auch Hunde, die kaum bis gar nicht haaren – zum Beispiel Pudel oder Malteser. Sie haben keine Unterwolle und ihr Fell wächst kontinuierlich weiter, statt sich in Schüben zu erneuern. Auch diese Hunde brauchen regelmäßige Pflege, damit lose Haare nicht im Fell hängen bleiben und Juckreiz verursachen.
Kurz gesagt
– Der Fellwechsel beim Hund wird über die Tageslänge gesteuert, nicht über die Temperatur
– Er kostet den Körper viel Energie, vor allem durch den erhöhten Eiweißbedarf für die Keratinbildung
– Bürsten, hochwertige Ernährung und ausreichend Ruhe unterstützen deinen Hund spürbar
– Fell, Haut und Darmgesundheit hängen eng zusammen – ein Blick auf die Verdauung lohnt sich, wenn der Fellwechsel besonders zäh verläuft
– Bei Hautveränderungen, dauerhaftem Haarausfall oder zusätzlichen Symptomen gehört dein Hund zum Tierarzt
Wenn du das nächste Mal Fell von deiner Hose klaubst, denk kurz daran:
Das ist kein Ärgernis, das ist ein kleines Lebenszeichen deines Hundes.
Er arbeitet gerade auf Hochtouren – und du kannst ihm dabei helfen, gut durch diese Zeit zu kommen.
Willst du wissen, ob dein Hund insgesamt gut versorgt ist – nicht nur im Fellwechsel?
👉 Dann schau dir meine kostenlose Hundefutter-Checkliste an.
Sie hilft dir, Etiketten zu verstehen und einzuschätzen, ob das, was im Napf landet, wirklich das ist, was dein Hund braucht.
